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Zeitgenössische Kunst in Berlin

Führungen zur Kunst in Galerien und Ateliers


Die Sammlung Boros im Bunker

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© Hannelore Fobo, Berlin 2009


Seit Sommer 2008 zeigt der Unternehmer Christian Boros seine Sammlung zeitgenössischer Kunst in einem ehemaligen Hochbunker im Zentrum Berlins. Die Entscheidung für dieses außergewöhnliche Gebäude wirkt sich unmittelbar auf die Präsentation der ausgewählten Kunstwerke aus, die einen kleinen aber wichtigen Teil der Sammlung von etwa 500 Werken ausmachen. Es handelt sich überwiegend um Objekte und Rauminstallationen, in geringerer Zahl um Zeichnungen und Gemälde, aus der jüngeren Künstlergeneration. Die Liste auf der Homepage der Sammlung umfasst ca. siebzig meist recht bekannte Namen, darunter Olafur Eliasson, Tobias Rehberger, Daniel Pflumm, Sarah Lucas, Elizabeth Peyton, Katja Strunz. Es galt der Grundsatz, dass die Künstler selbst die Einrichtung ihrer Werke übernehmen, und einige der Objekte sind speziell für die Präsentation im Bunker hergestellt worden, so zum Beispiel Monika Sosnowkas geometrische und zum Teil begehbare Raumskulpturen.

Das Gebäude, mittlerweile denkmalgeschützt, wurde im zweiten Weltkrieg als Schutzraum für die Bevölkerung erbaut: auf seinen fünf Etagen konnten bis zu 2000 Menschen Platz finden. In der Nachkriegszeit wurde es aufgrund seiner konstanten Raumtemperatur von Ost-Berlin als Lagerraum für Obst genutzt. Nach der Wende diente es einige Jahre als Techno-Club: der „Bunker“ etablierte sich als Begriff und bildete mit dem „Tresor“ und dem „E-Werk“ das Dreigestirn der Berliner Tanzclubs. 2003 wurde das Haus von Christian Boros erworben und nach langwierigen und aufwendigen Umbauarbeiten als Privatmuseum wiedereröffnet. Ein elegantes gläsernes Penthouse mit freitragendem Dach, das fast die gesamte Dachfläche einnimmt, steht dem Sammler und seiner Familie als Wohnraum zur Verfügung.



Die Sammlung Boros im Bunker © Fobo 2009

Um seine Aufgabe als Schutzraum zu erfüllen, erhielt der Hochbunker beim Bau 1941 / 42 im Innern die übliche Flächenaufteilung – zellenartige Räume mit einer Deckenhöhe von nur 2,30 Metern, zu betreten durch enge Treppenhäuser und Flure. Wegen seiner Lage in der Innenstadt wurde jedoch, und zwar in größerem Maße als bei anderen Hochbunkern, Wert auf eine ansprechende Außengestaltung gelegt. Die Wände des quaderförmigen Sichtbetonbaus sind risalitfömig gestaffelt und durch ein weit hervorkragendes Dachgesims mit deutlich akzentuierten Konsolen abgeschlossen. Weiter sind die Wandflächen auf allen Stockwerken durch lukenartige Pseudofenster gegliedert, die wie Schießscharten wirken. Sie lassen die Stärke der Wände erahnen und sind mit ihren vorgesetzten Rahmen ein charakteristisches Element insbesondere der frühen NS-Bauten.

Als Querriegel angefügte Eingangsbereiche mit doppelten Torbögen sorgen für eine weiteren Kontrast zur Vertikalen. Obwohl die Höhe des Bunkers mit ca. 20 Metern (einschließlich Aufbau) deutlich geringer ist als die Seitenlänge des quadratischen Grundrisses von 38 Metern, erhält man aus der Straßenperspektive den Eindruck eines kompakten Würfels. Allerdings hilft der Aufbau des Penthouses mit seinem Dachgarten, die strenge Symmetrie des Gebäudes zu mildern. Denselben die Ordnung auflösenden Effekt haben die zahlreichen Einschusslöcher aus der Kriegszeit sowie die reichlich vorhanden Alterungsspuren des Betons, dunkle Spritzgusslinien und leichte farblichen Abstufungen von Etage zu Etage. Man nimmt sie allerdings erst aus der Nähe deutlich war.

Es ist offensichtlich, dass das Gebäude alles andere als eine neutrale Umgebung für zeitgenössische Kunst bilden konnte. Die eigentliche Herausforderung lag jedoch in der Umgestaltung des Innengehäuses mit seiner gleichförmigen auf fünf Stockwerke verteilten Anordnung von insgesamt 120 fensterlosen Kojen. Durch die stellenweise Entfernung von Etagendecken und Zwischenwänden wurde die Anzahl der Räume auf achtzig reduziert, zudem wurden asymmetrische Durchblicke geschaffen, an einer Stelle über die gesamte Höhe des Gebäudes. Ein weißer Farbauftrag, der mit der originalen Farbigkeit des Sichtbetons kombiniert ist, wird, wo erwünscht, durch Neonbeleuchtung zum Strahlen gebracht. Artifizielle Helligkeit und eine vom Besucher nicht kalkulierbare Abfolge unterschiedlich großer Räume treten an die Stelle klaustrophobischer Enge und Wiederholung. Dabei bleibt der Charakter eines nach außen hermetisch abgeschlossenen, in Einzelkuben aufgeteilten Innenraums gewahrt.

Es ergibt sich aus diesen Voraussetzungen wie von selbst, dass Objekte, mit deren Hilfe Licht erzeugt oder reflektiert wird, für die Präsentation im Bunker besonders geeignet sind. Die zellenartige Geschlossenheit der Einzelräume bietet eine klar definierte Flächenbegrenzung, die für die Entstehung des Schattens notwendig ist. Sie verhindert gleichermaßen, dass die einzelne Lichtskulptur die Wahrnehmung von Kunstwerken in anliegenden Räume beeinflusst.

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