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Achtung! Sie verlassen jetzt West-Berlin   


Die Berliner Mauer am Brandenburger Tor 1973

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Brandenburger Tor mit Mauer 1973
Brandenburger Tor mit Mauer 1973
Mauerkreuze
Nach dem Mauerfall
Grenzsoldaten auf der Mauer
Mauerspechte
Freiheit
Trabi
East-Side Gallery und Oststrand

            Foto: 1973 ©Foto/Text: Hannelore Fobo

Achtung! Sie verlassen jetzt West-Berlin

Das Schild am rechten Bildrand markiert die Grenze zu Ost-Berlin, genauer, die Grenze zwischen dem britischen und dem sowjetischen Sektor. Einige Meter weiter befindet sich die Berliner Mauer und dahinter das Brandenburger Tor. Üblicherweise war zwischen der eigentlichen Sektorengrenze und dem Verlauf der Mauer ein Abstand von mindestens einem Meter, manchmal auch erheblich mehr, so daß die Grenzposten auch Zugang zur westlichen Seite der Mauer hatten. Dies war notwendig, um die Mauer auf der Westseite zu reparieren, erlaubte aber auch, Provokateure auf der Westseite der Mauer zu verhaften. Dieser Bereich hieß im offiziellen Sprachgebrauch der DDR "Feindwärtsgebiet".

Das Schild stammt aus den Zeiten vor dem Mauerbau, das heißt vor 1961. Damals konnten die Berliner in der Tat relativ leicht die Sektorengrenze passieren; diese war auch nicht durchgängig markiert. Es war wichtig zu wissen, auf welcher Seite der Grenze man sich gerade befand, nicht nur für diejenigen, die aus dem Osten in den Westen flohen oder "rübermachten", wie man es nannte. Auch die West-Berliner mussten informiert werden, um nicht ungewollt in den Hoheitsbereich der ost-berliner Volkspolizei zu geraten, die sie gegebenenfalls verhaften konnten. Nach 1961 gingen die West-Berliner häufig direkt an der Mauer entlang und ignorierten diese Informationstafeln.

Begonnen hatte die DDR den Mauerbau um West-Berlin herum mit Stacheldraht.. In den folgenden jahren wurde die Absperrung immer perfekter und weiträumiger. 1973, zum Zeitpunkt der Aufnahme, bestand die Mauer am Brandenburger Tor aus aufgeschichteten Betonplatten. Bewohner der östlichen Hälfte kamen nur bis zu den Häusern. die man im Hintergrund sehen kann. Das gesamte Gebiet um das Brandenburger Tor war Sperrgebiet oder Todesstreifen, wie der übliche Ausdruck lautete.

Diese Fotografie ist eine meiner ersten überhaupt. Ich habe sie als Schülerin aus dem fahrenden Bus aufgenommen. Bis weit in die achtziger Jahre durften auch Besucher der westlichen Seite an dieser Stelle nicht mit dem eigenen Wagen bis zur Mauer fahren.

In der Strasse des 17. Juni, also westlich vom Brandenburger Tor, im ehemaligen britischen Sektor, befindet sich ein sowjetisches Ehrenmal. Bis zur Vereinigung kamen täglich aus Ost-Berlin sowjetische Soldaten, um Ehrenwache zu halten. Nach einem Anschlag auf die Ehrenwache 1970 wurde die Straße für den Verkehr gesperrt. Lediglich Touristenbusse und Protokollwagen des West-Berliner Senats durften diesen Straßenabschnitt befahren, und zwar bis zur Straßensperre im Vordergrund. Darauf weist das Schild in englischer Sprache hin.

Knapp hinter der Mauer ist ein ganz ungewöhnlicher Bau zu sehen: ein Aussichtspodest. Normalerweise konnten nur die West-Berliner von solchen Podesten auf die ander Seite schauen - dafür dienten zahlreiche Aussichtsplattformen -, aber an dieser Stelle wurde ausnahmsweise ausgewählten Gästen der DDR-Regierung der Blick zum Klassenfeind gewährt, vermutlich wegen des Sowjetischen Ehrenmals. Allerdings sah man an dieser Stelle nur höchst selten Besucher. Das Risiko der Flucht in den nahen Westen war dafür wohl der Hauptgrund.

email: Hannelore Fobo <halo.fobo@t-online.de>

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