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Mauerspechte  


Die Mauer am Potsdamer Platz 1989

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Brandenburger Tor mit Mauer 1973
Mauerkreuze
Nach dem Mauerfall
Grenzsoldaten auf der Mauer
Mauerspechte
Freiheit
Trabi
East-Side Gallery und Oststrand

            Foto: 1989 © Wolfgang Fobo, Text: Hannelore Fobo

1989 / 1990 - Mauerspechte

Das liebste Hobby der Berlin-Besucher: mit Hammer und Meißel Mauerstücke herausklopfen. Das rhythmische Hämmern prägte den Begriff "Mauerspechte". Die Berliner waren findig: wer kein Werkzeug dabei hatte, konnte es sich auch an improvisierten Ständen mieten oder gleich ein Stück Beton kaufen - Preise waren verhandelbar.

Ab Juni 1990 begann dann der offizielle Abriß, der innerhalb kürzerster Zeit dafür sorgte, dass die Mauer weitgehend aus dem Stadtbild verschwand. Bereits im Januar hatten die DDR-Grenztruppen ein besonders schön bemaltes Stück der Mauer abgerissen, das später gegen Devisen versteigert wurde.

Das Bemalen der Mauer setzte allerdings nicht erst mit dem November 1989 ein. Die "vordere Mauer", offiziell das "vordere Sperrelememt", war ja von Westen her gut erreichbar, auch wenn sich die Mauerkünstler beim Bemalen unfreiwillig bereits im sowjetischen Sektor befanden. Der Verlauf der Mauer war nämlich nicht mit der eigentlichen Sektorengrenze identisch. Sie war um mindestens einen Meter, oft um viele Meter hinter die Sektorengrenze zurückversetzt, und die Mauersprechte stehen im "Feindwärtsgebiet". Das 1. Foto aus der Serie zeigt diesen Abstand deutlich.

Die Grenztruppen hatten somit das Recht, die Graffitti auf der Westseite zu übermalen, was aber nur höchst selten geschah, da die Soldaten sonst selbst in Versuchung geraten wären, in den Westen zu fliehen. Ich konnte es nur ein einziges Mal beobachten. Dabei saßen vier Soldaten hintereinander auf der Mauerkrone, ein Bein nach innen, ein Bein nach außen, und überstrichen mit Bürsten, die an Teleskopstangen befestigt waren, die Graffitti. Ein recht nutzloses Unterfangen, denn die West-Berliner hatten anschließend wieder eine schöne weiße Fläche für neue Bilder und Sprüche.

Wenig bekannt war die Tatsache, dass sich in dieser Betonwand Türen befanden, die den Grenztruppen den schnellen Zugang zum "Feindwärtsgebiet" ermöglichte. Sie nutzten diese Möglichkeit, wenn Personen offensichtlich provozierten oder versuchten, die Mauer zu beschädigen; dann konnte es auch passieren, dass sie diese Person abführten. In allen anderen Fällen war der Spaziergang auf der Westseite der Mauer und das Bemalen mit keinen unangenehmen Überraschungen verbunden.

Nach dem November 1989 wurde auch die Innenseite der Mauer sowie die hintere Mauer bemalt, wie die folgenden Fotografien zeigen.

email: Hannelore Fobo <halo.fobo@t-online.de>

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