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Staatsbesuch vor Mauerkreuzen   


Die Berliner Mauer hinter dem Reichstag 1987

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Brandenburger Tor mit Mauer 1973
Mauerkreuze
Nach dem Mauerfall
Grenzsoldaten auf der Mauer
Mauerspechte
Freiheit
Trabi
East-Side Gallery und Oststrand

            Foto: 1987Foto: unbekannt/ ©Text: Hannelore Fobo

Staatsbesuch vor Mauerkreuzen

Ausländische Delegationen, die zu einem offiziellen Besuch nach West-Berlin kamen, wurden häufig in das Reichstagsgebäude geführt, an dessen Ostseite die Mauer vorbeiführte. Ein Empfangsraum an der Ostseite mit einem kleinen Balkon gab Einblick in den Grenzstreifen. Im Anschluß an solchen Besuch entstand dieses Erinnerungsfoto vor den weißen Kreuzen, die an Maueropfer erinnern.

Die Person rechts außen bin ich, und das Foto bekam ich von einem Mitglied der Delegation geschenkt.

Man kann hier gut sehen, dass das im DDR-Amtsdeutsch so genannte "vordere Sperrelement" nicht durchgehend die rund vier Meter hohe Betonplattenwand mit Rundrohraufsatz war. In den Außenbezirken sowie an Gewässern wurde stattdessen ein Grenzzaun verwendet; dieser hier führt über eine Böschung hinunter zur Spree, die am Reichstag Grenzfluß war. An diesem Abschnitt war die Spree aber auch Kontrollpunkt für Frachtschiffe aus dem Osten, häufig aus Polen, die Kohle nach West-Berlin transportierten. Daher war das Sperrgebiet nach Osten sehr tief. Es reichte bis zur Marschallbrücke und endete wohl kurz vor den Häusern, die man durch den Zaun sehen kann.

Der Wachturm war einer von insgesamt 190 im 162 km langen Grenzstreifen, der West-Berlin ringförmig einschloß. Sehr wenige sind davon erhalten, meines Wissens nur vier. Er gehört zur "dritten Generation der Mauer", die ab 1966 errichtet wurde. Begonnen wurde im August 1961 mit Stacheldraht, dann folgte die "gemauerte Mauer", schließlich die Mauer aus Beton. Die Grenztürme waren so verteilt, dass keine toten Winkel entstanden. Dieser hier erlaubte den Blick einerseits zur Spree, andererseits in Richtung Brandenburger Tor. Dort lagen die Grenzsoldaten direkt unter der Quadriga.

Aufgrund der Bedeutung dieses Ortes - Brandenburger Tor im Osten, Reichstagsgebäude im Westen - hatte man auf der Westseite eine kleine Gedenkstelle für Maueropfer errichtet. Viele der Kreuze tragen die Aufschrift "Unbekannt". Vom Westen aus konnte man zwar zum Teil mitverfolgen, wenn eine Flucht tödlich endete, aber die Identität der Flüchtlinge war oft nicht bekannt und wurde häufig von der Stasi gemeinsam mit der Todesursache geheim gehalten. Aufgrund von Recherchen schätzt man, dass an der Berliner Mauer ca. 300 Menschen ihr Leben verloren, darunter auch Kinder.

Diese Stelle gehört heute zum Areal des Bundestages. Auf dem Friedrich-Ebert-Platz zwischen dem Reichstagsgebäude und dem neuen Jakob-Kaiser-Haus findet man eine "Spur der Steine": breite Gehwegplatten, die den Verlauf der Mauer nachbilden. Die Kreuze wurden auf die gegenüberliegende Seite an die Kreuzung zur Dorotheenstrasse versetzt.

email: Hannelore Fobo <halo.fobo@t-online.de>

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